

Der indische Subkontinent ist Teil des ehemaligen Superkontinents Gondwana und gehört heute zum nördlichen Superkontinent Laurasia. Geologisch gesehen ist Indien sehr vielfältig und weist verschiedene Arten von Eruptivem (Vulkanit), Metamorphem und Sedimentgestein auf. Die Aufmerksamkeit, die den Felsen in diesem Land entgegengebracht wird, reicht Tausende von Jahren zurück und hat tiefe religiöse und mythologische Wurzeln. Davon zeugen zahlreiche Denkmäler und Tempel, die direkt auf Felsen errichtet wurden und auch heute noch von großen Strömen an Besuchenden verehrt werden. Unter den Felserhebungen in Indien sind Inselberge und Laterit-Plateaus weit verbreitete Landschaftselemente. Trotz ihres massenhaften Vorkommens in den meisten Teilen des Landes und ihrer immensen kulturellen und religiösen Bedeutung ist nicht viel über ihr floristisches Inventar bekannt. Zwar wird in lokalen Floren häufig das Vorkommen seltener Arten auf Felserhebungen vermerkt, doch es gibt praktisch keine umfassenden Studien über diese Lebensräume. Im Gegensatz dazu wurden ihre Geomorphologie und Geologie im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Mineralien und dem Bergbau gründlich untersucht. Darüber hinaus waren solche Studien wichtig für das Verständnis verschiedener Landformen. Ein berühmtes Beispiel ist die zentralindische Landschaft, für die der Begriff Gondwana erfunden wurde (nach einem Stamm, der in Zentralindien lebte).
Viele Teile der indischen Halbinsel bestehen aus altem kristallinen Grundgestein, vorwiegend aus Granit und Gneis. Das geomorphologische Spektrum der granitischen und gneisischen Inselberge ist beeindruckend und umfasst große Monolithen, schildartige Aufschlüsse und breiter gestreute Kopjes. Monolithische Aufschlüsse sind typisch für feuchte Regionen (z. B. Kerala), im Gegensatz zu Kopjes, die weite Strecken in den trockeneren Teilen Indiens (z. B. in Andra Pradesh) dominieren. Aufgrund des weit verbreiteten Vorkommens von Granit- und Gneiserhebungen verfügt Indien über eine der größten Steinbruchindustrien der Welt und ist einer der wichtigsten Lieferanten von Gesteinen für das Bauwesen. Das Spektrum der verschiedenfarbigen Granite beispielsweise ist atemberaubend und wird mit Namen wie „Black Granite“, „Chilly Red“ oder „Magadi Pink“ bezeichnet.
Felsplateaus
Die markanten, flachen Hügel der Westghats weisen zwei Arten von natürlichen Felsplateaus auf. Basaltplateaus sind große Flächen aus magmatischem Basalt, die durch Verwitterungsprozesse freigelegt wurden. An einigen Stellen ist der Basalt unter extrem saisonalen paläoklimatischen Bedingungen zu metamorphem Laterit verwittert, der sich zu einer dicken Kruste auf dem ursprünglichen Basalt verhärtet hat. Solche lateritischen Plateaus sind als Ferricrete bekannt und kommen auf den Hügelkuppen der Westghats und in den Küstenebenen der Region Konkan-Malabar vor. Einige wenige Lateritplateaus kommen auch in den trockeneren Teilen des Dekkan-Plateaus vor, was ein Beweis für das früher feuchte Klima der Region ist. Laterit ist als Dekorationsstein für Gebäude sehr gefragt. An einigen Stellen kommt unter der Lateritkruste auch das Aluminiummineral „Bauxit“ vor. Daher werden Lateritplateaus in ganz Westindien intensiv abgebaut.
Vegetation der Inselberge






Alle Arten von indischen Inselbergen sind durch menschliche Aktivitäten, die oft schon sehr lange zurückliegen, stark gestört. Heute stellen Beweidung und Steinbruchbetrieb die größten Bedrohungen dar, und in vielen Fällen wurde die ursprüngliche Vegetationsdecke in Ödland umgewandelt. Es ist daher schwierig, sich ein genaues Bild von der Struktur und Zusammensetzung der Inselbergvegetation zu machen, was durch den Mangel an veröffentlichten Daten noch erschwert wird. Wie anderswo sind auch hier offene Felswände von einem Biofilm aus Cyanobakterien, Pilzen und Flechten bedeckt. Es liegen jedoch keine Daten über deren detaillierte Zusammensetzung vor, abgesehen von einer Studie über Cyanobakterien von steinigen Tempeloberflächen, die einige Hinweise über die Biofilm-Gemeinschaften auf natürlichem Gestein liefert (Adhikary & Satapathy 1996). Aus eigenen Beobachtungen geht hervor, dass Felsen auf Inselbergen in feuchten Regionen hauptsächlich von Cyanobakterien bedeckt sind, während in trockeneren Gebieten Flechten dominieren. Physiognomisch ähnelt die Vegetation der indischen Inselberge der anderer tropischer Regionen. Es gibt jedoch einen großen Unterschied: Die monokotyledonen Matten aus austrocknungstoleranten Gefäßpflanzen, die für afrikanische und südamerikanische Inselberge typisch sind, scheinen hier eine geringere Rolle zu spielen (für viele Teile des Landes liegen nur spärliche Informationen vor). Jüngste Beobachtungen haben jedoch gezeigt, dass die Grasgattung Tripogon auf Inselbergen in der Umgebung von Bengaluru Matten bildet. Auch andere Auferstehungspflanzen sind vorhanden. Weit verbreitet sind die Farne der Gattungen Actiniopteris und Selaginella. Diese Farne kommen hauptsächlich in kleinen Felsspalten und an felsigen Hängen in offenen Lagen vor, wo verschiedene Selaginella-Arten Matten bilden. Sukkulenten sind gut an starke Trockenheit angepasst, und auch sie sind auf indischen Inselbergen aufzufinden. Am bedeutendsten sind hier Arten der Gattung Euphorbia sowie bestimmte Apocynaceaen, wie Caralluma (z. B. C. umbellata) und Sarcostema.
Arten der Gattung Euphorbia sind meist baumartige Stamm-Sukkulenten. Insbesondere in trockeneren Teilen Indiens sind Arten wie E. antiquorum häufig anzutreffen. Die typische kurzlebige Vegetation (Ephemeral flush vegetation, EFV), die auf den Lateritplateaus Indiens so reichhaltig entwickelt ist, ist heute aufgrund von Beweidung und anderen Störfaktoren nur noch selten auf Inselbergen zu finden. Diese Pflanzengemeinschaft, die in der Regel eine eher geringe Fläche einnimmt, besteht hauptsächlich aus Annuellen mit fleischfressenden Pflanzen (z.B. Drosera burmannii, D. indica und Utricularia spp.) und anderen für nährstoffarme Standorte typischen Elementen wie Eriocaulon spp. und Xyris spp.. Felsbecken (rock pools) sind in der Regel zahlenmäßig gering, können jedoch beträchtliche Ausmaße erreichen und Dutzende Quadratmeter umfassen. Sie sind größtenteils stark gestört und beherbergen eine artenarme Vegetation, die aus Wasserpflanzen besteht. Nur an geschützten Standorten kommen seltene und lokal endemische Pflanzen vor. Ein Beispiel dafür ist eine kürzlich beschriebene Art von Isoetes (I. udupiensis), die von einigen Inselbergen in der Nähe von Udupi (Karnataka) bekannt ist. Kleine Spalten und flache Vertiefungen bieten Wachstumsorte für die Commelinaceae-Gattungen Cyanotis und Murdannia, die mit mehreren Arten vorkommen. Hier ist auch das austrocknungstolerante Gras Microchloa indica weit verbreitet. In flachen Vertiefungen sind auch bestimmte Lippenblütler (z. B. Anisochilus carnosus) zu finden. Spalten, die mit tieferem Substrat gefüllt sind, können von Bäumen wie dem laubabwerfenden Gyrocarpus americanus (Hernandiaceae) besiedelt werden, der sich durch seine silbrige Rinde und die typischen Früchte auszeichnet. Wie in anderen Regionen haben sich auch in Indien invasive Arten auf Felsvorsprüngen etabliert. Felsvorsprünge in trockeneren Regionen scheinen reichhaltiger an invasiven Pflanzen zu sein. Zu den registrierten Arten gehören Catharanthus roseus (Apocynaceae aus Madagaskar), Leucas linifolia (Lamiaceae aus Indien) und Opuntia spp. (Cactaceae aus der Neuen Welt).
Basalt- und Lateritplateaus sind mit kryptogamen Krusten bedeckt, die hauptsächlich aus Cyanobakterien und Flechten bestehen. In Felsspalten wachsen Mooskissen, die lithophytiscen Orchideen wie Bulbophyllum, Eria und Porpax einen Lebensraum bieten. Es treten saisonale Felsbecken unterschiedlicher Größe und Tiefe auf. Häufig anzutreffen sind Hydrophyten der Familien Lythraceae (Rotala), Aponogetonaceae (Aponogeton saterensis, A. natans, A. bruggenii), Scrophulariaceae (Dopatrium), Linderniaceae (Lindernia) und Marsileaceae (Marsilea). Während des Monsuns dominiert auf den Hochebenen eine kurzlebige Vegetation (Ephemeral flush vegetation, EFV). Eine große Vielfalt an Utricularia und Eriocaulon Arten ist zusammen mit Smithia, Impatiens, Exacum und Hedyotis weit verbreitet. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen von Trithuria konkanensis, die zu einer Familie (Trithuriaceae) gehört, welche sonst nur aus Australien bekannt ist. Arten der EFV werden meist von Insekten bestäubt und blühen in der späten Monsunzeit (September). Dies ist ein Massenblüteereignis, das eine Vielzahl von Bestäubern anzieht und die Chancen für eine erfolgreiche Bestäubung erhöht.
Austrocknungstolerante Arten von Tripogon und Cheilanthes sind auf Felsplateaus weit verbreitet, aber es gibt bislang keine Dokumentation über mattenbildende Gemeinschaften. Diese Arten kommen auch auf Klippen in der Region vor, und es scheint enge Verbindungen zwischen den Felserhebungen zu geben, möglicherweise aufgrund ihrer physischen Nähe. Die meisten Felsplateaus weisen steile Klippenränder auf. Geophyten sind in den mit tieferer Erde bedeckten Gebieten weit verbreitet. Die häufigsten Geophyten sind Dipcadi (D. montana, D. concanensis), Chlorophytum, Crinum und stängellose Euphorbia. Unmittelbar nach dem Monsun bilden Gräser eine dominante Gemeinschaft auf den Felsplateaus. Die Diversifizierung von Glyphochloa, Ischaemum, Eulalia und Dimeria hat zur Bildung mehrerer Endemiten auf den Plateaus geführt.
Die saisonalen sumpfartigen Bedinungen auf den Felsplateaus während der Monsunzeit bieten ideale Lebensräume für Herpetofauna. Auf den Felsplateaus kommen endemische Amphibienarten (Bufo koynensis, Xanthophryne tigerianus) und Reptilienarten (Hemidactylus, Cnemaspis) vor. Die Felsbecken wimmeln von aquatischer Mikrofauna und anderen Tiergruppen wie Wasserkäfern, Süßwassergarnelen und Larven von Libellen und Wasserjungfern. Lateritplateaus spielen eine wichtige Rolle für die Hydrologie der Region. Der Lateritstein wirkt wie ein Schwamm und speichert Wasser in unterirdischen Hohlräumen. Dieses Wasser sickert langsam aus den Rändern der Lateritkappe als ganzjährige Quellen hervor, welche für die lokalen Gemeinschaften von großer Bedeutung sind.
Einige Arten aus den umliegenden Graslandgebieten (Blumea, Senecio, Celosia) dringen in die Vegetation der Felsplateaus ein, insbesondere in Gebieten mit starken Störungen. Die Bodenbeeinträchtigungen durch Grabungen, Ackerbau, Steinbrüche und Tourismus haben in den meisten Gebieten besorgniserregende Ausmaße angenommen. Einige wenige Lateritplateaus in Nationalparks und Wildschutzgebieten stehen unter Schutz, die meisten liegen jedoch außerhalb dieser Schutzgebiete. In der Region wächst langsam das Bewusstsein für die Einzigartigkeit der Biodiversität der Plateaus, und es wurden Bürgerinitiativen zur Erhaltung einiger Gebiete ins Leben gerufen.
Aus der Ferne betrachtet zeigen die Gebirgszüge der Westghats eine typische stufenartige Anordnung vertikaler, schwärzlicher Basaltfelsen, die durch schmale Vegetationsgürtel voneinander getrennt sind. Abgesehen von flachen Felsplateaus sind die Westghats somit durch das Vorkommen ausgedehnter Areale steiler Felswände gekennzeichnet. Mit einer Ausdehnung von fast 2000km in Nord-Süd-Richtung gehören die Westghats möglicherweise zu den größten Klippenökosystemen weltweit.
Einzelne Klippen können eine Höhe von mehr als 100m erreichen und sich horizontal über viele Kilometer erstrecken. Obwohl keine Erkenntnisse über ihre floristische Zusammensetzung vorliegen, lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die extremen Wachstumsbedingungen hier als ökologischer Filter wirken, der nur hochspezialisierten Arten das Überleben ermöglicht. Unter ihnen sind die mattenartigen Grasinseln besonders bemerkenswert. Sie bestehen aus verschiedenen mehrjährigen Arten von Tripogon (z.B. T. lisboae) und zeigen einen drastischen Farbwechsel der Blätter zwischen Regen- und Trockenzeit. Wenn Wasser verfügbar ist (ca. 5 Monate), sind sie voll turgeszent und grün, während sie in der Trockenzeit (ca. 7 Monate) vollständig austrocknen und ihre Blätter gelblich-gräulich werden.
Während des Monsuns gibt es entlang der Felswände mehrere Wasserfälle und Sickerwasserbereiche. Diese sind ideale Wachstumsorte für mehrere kurzlebige Pflanzenarten, darunter Utricularia striatula, Impatiens acaulis, Kluggia notoniana und weitere. Kürzlich wurde an den Klippen der nördlichen Westghats eine hochspezialisierte Felsgeckoart (Hemidactylus aaronbaueri) entdeckt. Die Felsen sind Nist- und Rastplätze für Schwalben, Drosseln und vom Aussterben bedrohte Geierarten. Während der achtmonatigen Trockenzeit sind die Felsen völlig trocken und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Einige wenige Stauden (Ficus spp., Hymenodictyon spp., Notonia grandiflora) sind ebenfalls in diesem extremen Lebensraum zu finden. Ihr Beitrag zur gesamten regionalen Artenvielfalt ist noch nicht gut erforscht, da nur sehr wenige Studien zur Ökologie von Klippen durchgeführt wurden.



